Failschlag der Woche: Ein nicht genannter Kabelanbieter für Internet, TV und Telefonie

16/07/2010

Es ist toll, wenn man bei der Wahl des TV-Anbieters keine Wahl hat. So auch in der aktuellen Wohnung, in der ich mit meiner Herzensdame gemeinsam wohne: Exklusiv-Gebiet eines ungenannten TV- und Telekommunikationsanbieters über TV-Kabel. Juhu.

Das wäre auch alles noch erträglich – Wenn dieser Kabelanbieter nicht vermutlich einen Großteil seiner Kunden nur deshalb hätte, weil er in einigen Wohngegenden einfach Exklusivrechte erworben hat. So kann man Mieter einfach dazu zwingen, sich einen TV-Anschluss vom eigenen Unternehmen legen zu lassen.

Wie alles begann

Aber erst einmal zur Hintergrundgeschichte: Neue Wohnung, neuer TV-Anschluss. Das ereilte uns im September letzten Jahres. In der Miete enthalten ist zwar ein TV-Anschluss, aber der besticht durch einige kleinere Nachteile: Er ist nur analog und die Anzahl der Sender ist auch eher begrenzt. Also war die Idee, einfach einen Entertain-Anschluss der T-Com zu buchen. Immerhin hat man da alles aus einer Hand und die Online-Verfügbarkeitsprüfung versprach 16 MBit und damit genug für Internet und TV für einen halbwegs vertretbaren Preis. Zwar ist die Telekom auch nicht gerade für ihre Problemfreiheit oder für ihre günstigen Angebote bekannt, aber von dem besagten Anbieter als Alternative hörte man noch mehr Schlechtes.

Leider stellte sich heraus, dass über unsere Telefon-Leitung nur ein DSL-Signal von maximal 3 MBit zur Verfügung stehen würde. Das reicht nicht einmal im Ansatz für Entertain. Daher geht hier ein kleiner Failschlag auch an die Telekom, die es nicht schafft, in der Innenstadt eines Ortes mit 250.000 Einwohnern, vernünftige Bandbreiten zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig eine fehlerhafte Verfügbarkeitsprüfung zu haben.

Jedenfalls hieß die Alternative dann wie sie eben heißt. Denn mit Mischangeboten aus Digital-TV beim besagten Anbieter und Internet von 1&1 oder T-Com wären wir nicht sehr viel billiger und, wie gesagt, nur 3 Mbit. Immerhin würden wir dann beim Kabelanbieter wahnwitzige 6 MBit mit noch viel wahnwitzigeren 256 kbit/s an Upload bekommen. Dazu Digital-TV und so etwas wie ein Telefon-Anschluss mit Sprachflat in das deutsche Festnetz. Das für “günstige” 49€ im Monat. Na wenn das mal kein Schnäppchen ist.

“Das geht nicht. Den Receiver müssen Sie mieten.”

Also ab in den Laden. Man will ja die hiesige Wirtschaft unterstützen. Der Laden ist auch nur 5 Gehminuten entfernt. Perfekt. Wir hatten uns vorher informiert. Eine “3er Kombi plus” sollte es werden. Die versprach Digital-TV, 6 MBit “schnelles” Internet und die besagte Telefonflat. Das für günstige 49€ im Monat. Zur Zeit des Vertragsabschlusses konnte man für 10 oder 15€ mehr auch noch 10 MBit Datentransferrate haben. Am Upstream hätte sich aber nichts geändert. Der wäre weiterhin bei 256 kbit/s geblieben. 64€ im Monat. Nee, Jungs.

Ich ging an einem Vormittag allein zum Laden. Der Vertrag war mit Hilfe der Beraterin im Laden schnell ausgefüllt. Weil wir über die Miete bereits den Analog-Anteil zahlen, gewährte man uns 10€ Rabatt. Juhu. Nur 39€. Das ist schon ganz okay. Aber beim folgenden Angebot standen plötzlich 42€ unter dem großen Strich. Erklärung seitens der Beraterin:

“Ja. Es kommen noch einmal drei Euro im Monat für den TV-Receiver dazu.”

Ich entgegnete, dass wir das ruhig steichen können, denn wir haben bereits einen Digital-Receiver und benötigen kein Mietgerät. Ihre Antwort war der Punkt an dem in mir die leise Ahnung hervor kam, dass wir noch etwas Ärger bekommen werden. Denn:

“Das geht nicht. Den Receiver müssen Sie mieten.”

Meine Frage, warum man dann mit 49€ für dieses Angebot warb, obwohl es doch offensichtlich aufgrund einer Zwangsmiete für irgendein Gerät nicht dabei bleiben würde, blieb mehr oder weniger unbeantwortet. Wegen drei Euro wollte ich aber keinen Aufstand anfangen und, wie gesagt: Wir hatten ja eh quasi keine Wahl. Tolle Geschäftspraktik ist es trotzdem. Die Geräte würden dann in den nächsten Wochen bei uns ankommen. In den nächsten Wochen? Oha.

Es dauerte tatsächlich drei oder vier Wochen. Respekt. Aber man wartet ja gern.

Ein 39€-Receiver für 3€ im Monat

Uns ereilten also ein Kabelmodem (Kein Router. Von WLAN sprechen wir erst gar nicht.), eine Chipkarte, ein billiger TV-Receiver, den man neu für 39€ bekommt. Wahrscheinlich zahlt der Anbieter dafür noch weniger. Aber nicht schlecht. So amortisiert sich das Gerät schon nach 13 Monaten. Ab dann schiebt man dem Anbieter monatlich 3€ in den Rachen – Ob man will oder nicht. Ob man ein anderes Gerät hat oder nicht.

Glücklicherweise hatte ich noch einen Linksys WRT54G herum liegen, denn vom Kabelanschluss vom Wohnzimmer ins Arbeitszimmer sind es gute 25 Meter Laufweg. Außerdem würde mir im Traum nicht einfallen im Jahr 2009 ein Netzwerkkabel zu verlegen. Nun strahlte der WRT also gemütlich sein WLAN. Die Ökobilanz dieser Konstruktion ist nebenbei bemerkt echt mies. Ein Gerät mit integriertem WLAN würde sicher insgesamt gut 1/3 weniger Strom verbrauchen.

Der Receiver war auch schnell angeschlossen und in Funktion gebracht. Ich hätte zwar gern meine alte Neutrino-DBox weiter verwendet, aber irgendwie wollte die die Keycard nicht fressen. Ich schob es auf ein Problem der geflashten DBox. Also den Billig-Receiver nutzen. Naja… Die DBox war ja auch nicht gerade das Qualitätswunder. Alles klappt, der Ton wandert über den optischen Ausgang zum Audio-Receiver und der TV hängt am SCART-Anschluss. Ja… Anschlussmöglichkeiten, die deutlich jünger als 20 Jahre sind, bietet der Receiver leider nicht. Kein HDMI, kein DVI, nicht einmal VGA. Toller Digital-Receiver.

“Meine sehr geehrten Da*hmp* *krrk*nd Herr*hmup*”

Nein. Der Nachrichtensprecher hat keine Sprachstörung. Dafür aber unser Receiver offenbar eine Empfangsstörung. Bild und Ton verwandeln sich in Fraktale. Kann ja mal vorkommen… Kam auch vor – In den nächsten Tagen ca. 1x pro halbe Stunde. Manchmal auch mehr, abhängig vom TV-Sender. Hotline-Anruf. 9ct/Minute ohne Kostenansage und ca eine Minute automatisierter Ansage, welches Knöpfchen man für was drücken muss.

Das Ende des Gesprächs ist ein Termin mit einem Techniker, der sich das mal anschauen soll. Er wird sich melden. Er meldet sich wirklich am nächsten Tag und fragt mich ein paar Dinge. Ja, ich habe das Kabel ordentlich verlegt, ja ich musste ein anderes Kabel nehmen, weil das mitgelieferte mit einer gewaltigen Länge von 1,5m eindeutig zu kurz war. Nein die Empfangsqualität des Receivers ist nicht bei 100%, sondern nur bei 80. Das Kabel ist nicht mehr das allerneuste, zugegeben – mein Fehler. Muss wohl daran liegen. Das Kabel wird noch einmal neu verlegt. 90% Empfangsqualität.

Es ist wahrscheinlich obligatorisch, zu erwähnen, dass es sich nicht besserte. Also wurde ein Kabel mit mehr Abschirmung besorgt. Der Techniker meinte fünffach. Ich habe achtfach gekauft. Man will ja sicher gehen. Der Receiver strahlt mir Freudig 100% Empfangsleistung entgegen. Und die Tagesschau? “Meine sehr geehrten Da*hmp* *krrk*nd Herr*hmup*”. Na wenn das mal kein Problem mit unserer Verkabelung ist. Aber die Hausanlage ist ja laut Hotline in Ordnung und laut Techniker sind solche Aussetzer ab und zu auch normal. Ahja.

“Ist dein Telefon kaputt?”

Anruf auf dem Handy. Mein Geschäftskollege. Komisch. Sonst ruft der doch immer auf dem Festnetz an?
“Hey. Die Stimme in meinem Telefon hat mir eben gesagt, dass kein Anschluss unter dieser Nummer wäre?!”. Okay. Tatsache. Ich kann nicht hinaus rufen. Zweiter Versuch… geht. Mein Anrufer will es noch einmal probieren. Das Telefon klingelt. Komisch. Naja. Kann ja mal passieren. Passierte auch – In den folgenden Tagen ca. 5 Mal. Ich musste an dem Tag eh in die Stadt. Also mal im Laden um die Ecke vorbei geschaut. Ich wollte ja eh mal wissen wie es um den versprochenen HD-Receiver steht, von dem man bei Vertragsabschluss gesprochen hatte. Und wegen dem Telefon kann ich ja auch gleich fragen.

“Hmm. Nein. Da können wir Ihnen nicht helfen. Da müssen Sie bei der Hotline anrufen.”

Und der HD-Receiver?

“Da können wir Ihnen noch nichts dazu sagen. Vielleicht weiß man ja bei der Hotline mehr. Versuchen sie es da mal.”

Die dritte Frage, warum man denn überhaupt so einen Laden betreibe, wenn man eh permanent nur auf die Hotline verweist, sparte ich mir. Hotline-Anruf. 9ct/Minute ohne Kostenansage und ca eine Minute automatisierter Ansage, welches Knöpfchen man für was drücken muss. Kenne ich ja schon.

“Jetzt geht alles wieder.”

Es wäre eine Störung gewesen. Man könne im System sehen, dass da etwas schief gegangen ist. Ist aber wieder behoben. Aha. Nett, dass ich mich selbst darum kümmern muss und hier wieder Geld an der Hotline los werde, die mich ja noch teurer kommt, weil ich ja aufgrund des mal wieder nicht funktionierenden Telefons über Handy anrufen muss. Man könnte auch einfach mal Bescheid sagen, dass es wieder geht. Und eine Entschuldigung kann man an der Hotline eh nicht erwarten.

Die Monate gingen ins Land. Und die Fälle von “kann schon mal passieren” wurden mal mehr und mal weniger. Als wirklich zuverlässig wollte ich weder Telefon noch TV betiteln. Aber man gewöhnt sich dran, denn laut Hotline war das ja normal und kann schon mal passieren. Aber vor ca. einem Monat begann dann die Zeit des trotteligen Lehrlings – So habe ich das genannt.

Trottelige Lehrlinge

Denn offenbar schaffte es regelmäßig am Abend zur Prime Time irgendwer in irgendeiner Verteilerstation über das Kabel zu stolpern. Anders kann ich mir nicht erklären, quasi jeden Abend mindestens ein Mal “Senderausfall” mit einem hübschen Anbieter-Logo in der oberen rechten Ecke zu erblicken. Das bleibt mal für ein paar Sekunden, mal aber auch für mehr als 10 Minuten so stehen.

Da ich eh wegen eines Zahlungsproblems heute bei der Hotline anrufen musste, erzählte ich der unfreundlichen Dame gegenüber auch die Dinge, die mal wieder passiert sind. Und nein: Ich war nicht unfreundlich zu ihr. Sie wirkte aber schon genervt als sie mein Gespräch entgegen nahm. Aber egal. Warum ich nicht anrufen würde, wenn eine Störung ist…

Mal überlegen. Vielleicht weil

  • ich dann quasi jeden Tag anrufen würde
  • man mir jeden Tag “das kann schon mal passieren” nennen würde
  • ich jeden Tag 9ct pro Minute bezahlen müsste
  • ich verdammt nochmal keinen Bock da drauf habe

HD-TV? Jetzt mit drin!

Ich wollte es mal probieren. Immerhin kann man sich ja mittlerweile für günstige 6€ im Monat einen HD-Receiver mieten. Das wäre sogar fast schon wieder günstig. Also einen HD-Receiver von einem Freund ausgeliehen. Laut der Startseite des Anbieters ist ja jetzt HD-TV mit drin. Früher musste man dafür extra zahlen. Der geliehene Receiver findet aber keine HD-Kanäle. Er akzeptiert auch die Keycard nicht, die ich benötige, um 90% der der TV-Sender überhaupt schauen zu können….

Wir können unseren Vertrag zum 31.9.2011 kündigen. Daher ein Appell an die Telekom:

Mir ist es egal was es kostet, mir ist es egal wie stressig das mit euch wird. Mir ist sogar egal, ob ich bei euch Miete für einen Receiver zahlen muss:

Ich will einen Entertain-Anschluss. Bitte!

Damit Telefon, TV und Internet nicht mehr über diesen Anbieter laufen müssen. Denen schenke ich keinen Cent mehr als nötig.

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Wo geht’s hier nochmal zum Internet?

6/07/2010

Der Kunde. Unendliche dumme Ideen. Wir schreiben das Jahr 2010. Dies sind die Abenteuer eines Webdesigners und -Entwicklers, der mit seinen zahlreichen Geschäftskollegen unterwegs ist, um Kundenwünsche wahr werden zu lassen, neue Kunden zu finden und sich oftmals bei Projekten dazu genötigt zu fühlen, sie angesichts haarsträubender Kundenwünsche doch besser nicht als Referenz zu führen. Viele Lichtjahre von jeglicher Usability und Design-Grundlagen entfernt, dringt dieser Digital Native in fremde Geschäftsbereiche vor, die vorher noch keiner seiner Kunden wirklich verstanden hat.

Wie einfallslos. Noch eine unkreative Umdichtung eines alt bekannten Einleitungsspruchs aus dem Intro einer bekannten TV-Serie mit Kino-Ablegern – Willkommen beim ersten Failschlag. Ihr Moderator ist heute die Kritische Masse.

Der Kerl bezeichnet sich selbst als Web-Entwickler und -Designer. In Wahrheit ist er aber eher ein Sklave der abstrusen Ideen und Vorstellungen seiner Kunden. Manche glauben ernsthaft, einen ausgewachsenen Webshop für einen dreistelligen Eurobetrag zu bekommen. Andere wiederum glauben, dass so ein Webshop doch wirklich einfach so neue Kundschaft ins Haus spülen würde. Sogar vor animierten Gabelstaplern im Seiten-Header machen die Kunden nicht halt in ihren kreativen Anwandlungen. Und eigentlich haben sie alle etwas gemeinsam: Sie landen ausgerechnet bei ihm.

Aber überlassen wir ihm ab sofort einfach selbst das Wort:

In diesem Blog werde ich, ein engagierter junger Web-Entwickler in den Mitt-Zwanzigern, von allerlei abstrusen Situationen berichten, die ich mit meinen Kunden erlebe. Es soll und wird nicht darum gehen, diese Kunden auszulachen oder sie bloß zu stellen. Ich werde, gehüllt in eine bewusste Anonymität, meinen manchmal aufkommenden Frust von der Seele schreiben – Nicht immer objektiv, nicht immer politisch korrekt und gewiss nicht immer mit Pacht auf Richtigkeit meiner Aussagen.

Eben einfach nur die subjektive Sichtweise eines Entwicklers der tatsächlich noch Ideale hat und auch ernsthaft daran glaubt. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, diesen Blog als eine Art Ablassventil zu benutzen. Da aber meine Auftragslage und besonders auch die Dichte meiner “speziellen” Kunden eher variabel ist, wird es daher also nicht zu regelmäßigen Blogbeiträgen kommen.

Ich weiß auch gar nicht, ob sich jemals mehr als drei Leute dafür interessieren werden, was ich so zu sagen habe. Aber das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal, denn hier geht es um mich und um meinen Frust und wie ich ihn bewältige. Selbst-Therapie, quasi. Bloggen für den Weltfrieden.

Oh mann… ich höre besser auf. Viel Spaß und so.

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